Ohne dich, als meinen Coach, kann ich nicht

Abhängigkeit im Coaching

Vielleicht ist es dir in deiner Coaching-Praxis schon mal passiert, vielleicht auch noch nicht:
„Ohne dich als Coach komm ich in meinem Leben nicht mehr klar.
Lass mich nicht alleine, lass mich nicht los, sei für mich da!“

Was für eine Verantwortung, oder?

Ich weiß nicht, warum du jetzt gerade diesen Beitrag liest, aber vielleicht nimmst du diese Informationen einfach mit… für wenn mal?

In der Praxis kommt es vor, dass es Klienten gibt, die uns genau dieses Gefühl entgegen bringen, nachdem sie bei uns angekommen sind.
Und das meine ich so, wie ich es sage:
Wenn sie bei uns angekommen sind!

Es gibt Klienten, die sofort ankommen und nicht wieder gehen wollen, es gibt aber auch die, wo es erst das Eis zu brechen gilt und die dann absolut da sind und nie wieder gehen wollen.

Wir schauen uns beide Gruppen an, denn jede Gruppe hat ihren Hintergrund und für dich eine unterschiedlich Herangehensweise.

Es gibt Klienten, die kommen zu dir in die Praxis oder ins Online-Setting und du spürst bereits im ersten Setting schon, wie gut es harmoniert.

Die Stimme, die Tonalität, du hast es leicht, dich auf dein Gegenüber einzuspielen.
Das gibt natürlich auch dir ein gutes Gefühl.

Vielleicht wirst du sogar gelobt, für deine Räume, deine Art, deine Erfolge, du bist geschmeichelt, dass jemand von Außen dich so gut wahrnimmt.

Tut doch auch gut oder?

Wer hört nicht gerne, dass er gut macht, was er macht und dann ist das Miteinander auch noch so angenehm.
Dein neuer Lieblingsklient!!!
Herrlich.
Was kann Coaching wunderbar sein!

Hast du das schon mal erlebt, schon mal spüren dürfen?
Direkt die erste Sitzung ein Treffer.
Und ganz stolz gehst du aus der Sitzung.
Hörtest du in der Sitzung doch so viel Gutes.
Hast mit jeder Frage ins Schwarze getroffen und den Zielfindungsprozess
par excellence durchgeführt.
Du bist einfach gut, nein fantastisch!

(Bist du auch, aber dieser Klient lässt es dich gerade 3-fach spüren)
Also ACHTUNG!

Ich gönne dir ja dieses Glücksgefühl, lade dich trotzdem zu ein bisschen Achtsamkeit ein.

Wo kommt der Klient her?
Wer ist in seinem Umfeld?
Wie lebt er/sie Nähe und Distanz?
Wie sind die Erfahrungen mit anderen Therapeuten/Coaches?
Was ist passiert?
Wofür ein Coaching/Therapie?
Mit welchem Ziel?
Was soll erreicht werden?

Und hier jetzt nochmal ACHTUNG:

Oft ist der erste Zielprozess nicht wirklich das Ziel.
Begleitet zu werden kann das Ziel sein.
Bestärkt werden kann das Ziel sein und ein bisschen gestreichelt für die Strapazen des Lebens.
Schau dir hier den Umgang mit den Eltern an, das Großwerden.
Bestehen schon Abhängigkeits-Muster?
Dann darfst du achtsam sein, um nicht dafür genutzt zu werden.

Hast du es erkannt, ist es wertvoll, sich immer daran zu erinnern und nicht für dein eigenes Ego de Sitzungseinheiten zu halten.
Das ist nämlich wunderbar.

Solltest du dich dabei ertappen, dass du mit diesem Klienten arbeitest, weil er dir so gut, dann denkst du vielleicht mal kurz an mich und distanzierst dich etwas.

Ist ja schön, die Bestätigung so intensiv zu spüren, aber es ist nicht hilfreich, wenn wir uns einfach nur in diese Rolle einfädeln.
Wir wollen doch unterstützen!

Schau dir also gerne die Wirkung an, die dein Klient in dir auslöst.
Schau dir an, wie du idealisiert wirst und er dich einfach nur puscht und dafür auch noch bezahlt.
Besser geht’s eigentlich nicht, doch hilfst du deinem Klienten damit nicht.
Er/Sie hat in dir nur eine wunderbare neue Bezugsperson gefunden, doch ist das seine Lösung?

So gut es sich für dich anfühlen kann, wenn du wirklich helfen willst, darf es anders werden.

Kommen wir nun zu den Klienten, die sich erst in deiner Gegenwart, in deinem Coaching nicht so gut fühlen.
Die gibt es auch.
Manchmal sind es Ängste, vergangene Erfahrungen, Verluste, die sie haben vorsichtig werden lassen.
Manchmal darf man sich im Coaching das Vertrauen auch einfach verdienen.

Doch wenn sie dann da sind, du mit ihnen die inneren Türen geöffnet hast, dann sind sie da und schätzen den Austausch mit dir so sehr.
Zu sehr?
Wenn das geht!

Doch leider geht es!
keine Entscheidung wird mehr ohne Rücksprache mit dir getroffen.
Kein Tag vergeht, an dem du nicht in das Leben involviert wirst.
Du darfst an allen Gedanken teilhaben.
Du wirst wöchentlich, am liebsten täglich gebucht.

Du bekommst Lob und Anerkennung und es fühlt sich gut an!

Ich spreche nun nicht von der Anerkennung für unsere Arbeit, die gerechtfertigt ist, weil ihr einen Prozess wunderbar durchschritten habt, ich spreche von zu viel…zu nah…zu intensiv!

Ich denke, du weißt, was ich meine!
Einfach ein zu viel von allem.
Kein Abstand, keine Distanz und du hast schon fast ein schlechtes Gewissen, mal kein Zeitfenster für ein Setting ermöglichen zu können.
Vielleicht schiebst du auch abends noch einen Termin nach, obwohl du frei hättest?
Vielleicht beginnst du über deine Grenzen zu gehen, um zu helfen, zu unterstützen?
Du bist ja schließlich der Coach, der Therapeut oder der Berater und wenn du so gebraut wirst, dann musst du doch auch da sein!

Erkennst du, was da passiert?

Und nun braucht es dein Können, dein Erkennen, dein Reagieren!

Wertvoll und schützend ist es wichtig die Selbstverantwortung und die Selbstkompetenz deines Klienten rauszulocken.

Das Ganze natürlich bitte wertschätzend und achtsam, doch du hilfst nicht, wenn du dich instrumentalisieren lässt.

Du hilfst, wenn man ohne dich in die Lösung gehen kann.
Wenn man das Gefühl hat: „Danke, du hast mir gut getan, jetzt kann ich alleine gehen!“

Am Anfang, wenn ich merkte, wir könnten so ein Thema bekommen in den Therapie oder dem Coaching, habe ich meine Klienten und Patienten immer sehr gerne gefragt:
„Was müssen wir hier erarbeiten, damit sie eines Tages zu mir sagen können:
„Danke, es war eine schöne Zeit Frau de Vries. Jetzt bin ich so weit und kann alleine weiter gehen!“

Die Antworten waren wertvoll.

Ich habe sie immer notiert und sie zwischendurch zur Reflexion mit ins Setting genommen.
Immer mit dem Blick auf das, was nötig ist, um das Ziel zu erreichen und bitte ohne mich!

Unterstützen und möglich machen, dass der Klient es alleine umsetzen kann. Ist das nicht unser wirklicher Auftrag?

Ich wünsche dir wunderbare Sitzungseinheiten und einen reflektierten Blick für alles, was in und um dich herum im Setting passiert.

Bis bald deine Sylke

Wenn du noch intensiver auf dieses Thema eingehen möchtest, höre doch gerne in die dazu passende Podcast-Folge rein.

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